Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.

Gleichgeschlechtliches Hochzeitspaar

Esther und Annika | Ludwigskirche in Freiburg

„Das war fast unwirklich schön, all die Menschen so versammelt zu sehen, die uns am meisten am Herzen liegen.“ Annika (39) erinnert sich an den Augenblick, als sie und ihre Frau Esther (33) in ihre Hochzeitskirche einzogen, um einander das Jawort zu geben.

Bevor sich die beiden über ein Internetportal kennen und lieben lernten, hatten sie schwierige Zeiten hinter sich. „Wir mussten lernen, zu uns selbst zu stehen, und hatten beide Liebesgeschichten erlebt, die sehr schmerzhaft ausgegangen waren.“
 
Als sie sich nach einem Jahr entschieden zu heiraten, stand für sie fest, dass sie kirchlich heiraten werden, auch wenn Esther nicht getauft ist. „Wir spüren, dass Gott uns zusammengeführt hat und auf unsere Liebe aufpasst“, da sind sich beide einig.
 
Dass eine kirchliche Trauung auch als gleichgeschlechtliches Paar möglich ist, war ihnen jedoch nicht klar. Sie fragten Margot Käßmann, die sie als Mensch sehr beeindruckt hatte, ob sie sie segnen würde.
 
Sie küsst ihre Ehefrau auf die Wange

Quelle: Katja Dieckmann | www.fotoverlage-münster.de

Die prominente Theologin Margot Käßmann der Evangelischen Kirche in Deutschland sprach aber selbstverständlich von Trauung statt von Segnung und legte den beiden in einem persönlichen Brief eine Pfarrerin in Freiburg ans Herz, welche Esther und Annika auf dem Weg zur kirchlichen Hochzeit sehr gerne zur Seite stand. „Wir haben uns die ganze Zeit so toll begleitet gefühlt. Von Anfang an hat sie sich viel Zeit genommen, sehr einfühlsam. Schöner hätten wir uns das nicht vorstellen können“, schwärmt Annika.
 
Wenn sie sich an ihre Hochzeit zurückerinnern, hat jede so ihre eigenen Eindrücke, die besonders in Erinnerung geblieben sind.
„Für mich war es der Moment des Trauversprechens, da war ich plötzlich so ergriffen. Auf einmal merkte ich, wie meine Stimme brach, und ich zitterte und weinte vor Rührung. Ich hatte kurz Angst, dass ich nicht weitersprechen kann. Das war sehr berührend“, erinnert sich Annika. „Für mich waren auch die Momente besonders schön, als die Pfarrerin uns gesegnet hat, und als wir nicht so im Fokus standen, als der Chor gesungen hat“, so Esther.
 
Die Hochzeit vorzubereiten, hat für beide auch einigen Stress bedeutet. Vor allem der selbst gemachte Druck, dass sich alle Gäste wohlfühlen sollten – gerade auch jene, die mit Kirche nicht so viel zu tun haben, wie beispielsweise Esthers Familie. „Wir wollten gerne, dass es für alle ein besonderer Moment ist“, so Esther. Das ist gut gelungen. „Meine Mutter ging am Ende zur Pfarrerin und sagte ihr, wie schön es gewesen ist. Und meine Schwägerin, die auch gar nichts mit Kirche zu tun hat, hat geweint vor Rührung.“
 
 
Ruth 1,17-18
Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Gott tue mir dies und das: Nur der Tod wird dich und mich scheiden.